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Das Drama von Zakynthos

Ein Beitrag von EURONATUR
 
Über Jahre hinweg hat das griechische Umweltministerium die bedrohte Situation für die letzten Meeresschildkröten auf Zakynthos schöngeredet. Nach Informationen der Stiftung Europäisches Naturerbe ist jetzt der Europäischen Kommission offensichtlich der Kragen geplatzt. Zakynthos beherbergt die wichtigsten Niststrände der Unechten Karettschildkröte im Mittelmeer. Die Meeresschildkröten legen ihre Eier jährlich in etwa 1 .300 Nestern an den Stränden der griechischen Insel ab. Jahrelang wurden Auflagen der Berner Konvention, der Naturschutzkonvention des Europarats zum Schutz der Meeresschildkröten nicht beachtet. So wurden auf Schildkrötenstränden sogar illegal Häuser gebaut. Auch die Zahl der Sonnenschirme und Strandliegen nimmt immer weiter zu und bedroht die Gelege der Schildkröten.

Der Stress für die Meeresschildkröten durch den unkontrollierten Tourismus ist teilweise schon so groß, dass sie ihre Eier aus Verzweiflung ins Meer ablegen. Keine einzige Schildkröte wird aus diesen Eiern schlüpfen. Schuld für den Mißstand gibt Athen der lnselregierung, was aber nur ein Teil der Wahrheit ist. Denn auf Zakynthos wäre man durchaus bereit, einen Nationalpark für den Schutz der Meeresschildkröten zu akzeptieren, wenn Athen endlich mit dem Lavieren aufhören würde. Seit vielen Jahren wird nun um eine Nationalparkverordnung gerungen, denn das Hauptproblem wird selten ausgesprochen. Soll der Park nicht nur auf dem Papier bestehen, so muss auch ein Parkmanagement geschaffen sowie Entschädigungszahlungen an die Besitzer der Schildkrötenstrände gezahlt werden. Hier für will man in Athen wohl kein Geld ausgeben.

Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten einer friedlichen Koexistenz zwischen Touristen und Meeresschildkröten. Ein Nationalpark wäre sogar ein lnnovationsschub für einen qualitätsorientierten Tourismus auf der Insel und könnte Zakynthos endlich aus den negativen Schlagzeilen herausholen.

Die Europäische Union hat deshalb auch etliche Millionen Euro im Rahmen der Regionalfonds für den Meeresnationalpark zur Verfügung gestellt. Dieses Geld kann jedoch nur für lnfrastrukturmaßnahmen des Nationalparks, zum Beispiel für Besucherzentren und andere Parkeinrichtungen, ausgegeben werden und eben nicht für den Aufbau einer effektiven Verwaltung. Doch auch hier zeigt sich das Umweltministerium 

durchaus erfinderisch. Da die Gelder für den Nationalpark schon mal zur Verfügung stehen, wird mit dem Geld einfach die Kanalisation von Touristenorten erneuert. Dies ist zwar ebenfalls notwendig, hat aber nur wenig mit dem Aufbau des Nationalparks zu tun.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat der Besuch des obersten Naturschutzchefs der Europäischen Union, der sich das Dauerproblem Zakynthos einmal selbst anschauen wollte. Über Nacht verwandelte sich die Insel in ein Schildkrötenparadies, denn alle Sonnenschirme und Strandliegen wurden für einen Tag beiseite geschafft. Dem Chefnaturschützer wurde so ein Potemkinsches Dorf präsentiert. Streitbare Naturschützer informierten ihn jedoch hierüber und belegten mit Fotos, dass sein Besuch zu einem Publicity-Gag umfunktioniert worden war und dass nach seiner Abreise die Sonnenschirme und Strandliegen sofort wieder aufgebaut wurden. Der Europäischen Kommission war nun klar, dass man sie hereingelegt hatte. Der konkrete Forderungskatalog, den sie daraufhin an das griechische Umweltministerium schickte, ist bis heute nicht erfüllt worden. Nun hat die Europäische Kommission Griechenland ein letztes Ultimatum gestellt, und da die Situation der Meeresschildkröten auf Zakynthos sich auch diesen Sommer nicht verbessert hat, wird ein Gang der Kommission vor den Europäischen Gerichtshof wohl unausweichlich sein. Euronatur begrüßt und unterstützt das endlich konsequente Einschreiten der Europäischen Kommission.

eMail: info@euronatur.org ; Internet: http://www.euronatur.org