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Videogehäuse von Fa. Damm

by Michael Goldschmidt 1999

Nicht von der Stange sondern individuell und einzigartig, so konzipiert Steffen Damm seine Reihe von Videogehäusen, die vor allem die S - VHS und DV - Camcorder von Panasonic ver- packen sollen. Nicht nur auf den ersten Blick eigenwillig im Design, dazu mehrfarbig lackiert und mit aufreizenden Bildmotiven verziert, so zieht das Mustergehäuse für Panasonics legen- dären ersten dreichip - Digital - Camcorder NV DX 1 das Interesse auf sich. Neben der unge- wöhnlichen Produktionsart, Handarbeit ist Trumpf, machte auch der Preis von nur € 750,- UnterWasserWelt neugierig.
 

Die digitale NV DX 1 von Panasonic hat mittlerweile würdige Nachfolger im eigenen Hause bekommen, die NV DX 100 und 110, aber der große Suchermonitor der DX 1 hat besonders die Unterwasserfilmer angesprochen, versprachen sie sich zurecht auch hinter dem Maskenglas, ohne zusätzliche Sucherlupen, einen guten Monitorüberlick. Da Panasonic nicht gerade seinem Marktanteil entsprechend mit Unterwassergehäusen bedient wird, und weil die Verpackung von “Exoten” im Unterwasser - Videogeschäft eher stiefmütterlich behandelt wird, wittert man im “Wilden Osten” Marktchancen, die durchaus berechtigt sein können. Der Firmensitz von Steffen Damm verrät also schon einiges über das Knowhow, das hier in der vom Zeitgeschmack geprägten Gehäusereihe zugrunde liegt. Die Hüllen werden aus Kunststoff gefertigt. Das ist nicht neu, gibt es doch schon seit vielen Jahren Rohre oder gegossene Gehäuse aus Acryl und PVC. Bei Damm hingegen wird gewickelt und das wurde wieder neu entdeckt. Nach Art einer Mumienverpackung werden Schicht für Schicht polyestergetränkter Glasfasermatten aufgetragen, bis die Materialstärke ausreicht dem Wasserdruck zu wiederstehen. Mit Hilfe dieses Konzepts, das einst natürlich bei einer Trabi - Reparatur große Dienste geleistet haben dürfte, ansich aber schon vor vielen Jahren als Grundlage für den Gehäusebau auch im Westen eingeführt war, ist eine individuell festzulegende Druckfestigkeit zu erzielen. Damm legt seine Gehäuse auf Tauchtiefen bis 80 Meter aus, auf Kundenwunsch sind auch größere oder geringere Wandungsstärken zu bekommen. Ein weiteres Plus dieser Konstruktionsweise, problemlos können alle erdenklichen Designvarianten realisiert werden, da diese

Verbundtechnik äußerst weite Spielräume für die Oberflächengestaltung zuläßt.

Das Gehäuse

Glänzend gelb lackiert präsentiert sich das optisch groß wirkende Gehäuse, das sich jedoch eng um Panasonics NV DX 1 schmiegt. Unsymetrische Vertiefungen und Nuten in der Gehäuseoberfläche formen das unverwechselbare Erschein- ungsbild und nehmen dem Gehäuse in erster Linie luftein- schließendes Volumen. Ein mächtiger Frontport aus Acrylglas, gedichtet mit einem O - Ring und mit 4 Imbusschrauben be- festigt, bestimmt das Gesicht des Damm - Gehäuses. Ein schwarzer Gummiring schützt den überstehenden Rand des Port. Ungewöhnlich ist die Entscheidung, Wasser bis zu den ungeschützen Schrauben vordringen zu lassen, da die Dichtung erst danach wirksam ist. In gleicher Bauweise ist auch der großformatige Suchereinblick im Rückdeckel ausgeführt. Die weitere farbliche Gestaltung zieht einfach in ihren Bann. Ausgehend von der Gehäuseoberseite ziehen sich in schachbrettartigen Rahmen links und rechts zu den Gehäuseseiten zwei handgemalte Unterwasser- szenerien. Den größten Eindruck hinterläßt dabei, nicht nur bei mir, das ästhetische Motiv einer nackten Schnorchlerin, umgeben von Falterfischen, Süßlippen und einer skeptisch blickenden Suppenschildkröte. Frei nach dem Motto des Hosenbandorden ”Schlechtes dem, der Schlechtes denkt” erfreuen sich an diesen Motiv Herz und Seele und ein belangloser Videotauchgang im trüben Baggersee bekommt völlig neue Perspektiven. Ein Teller Meissener Porzellan derart bemalt würde ein Vielfaches von dem kosten, was hier für das gesamte Gehäuse kalkuliert ist. Der Farbgebung insgesamt gehört wohl das Herz des Herstellers, denn auch der abnehmbare Tragegriff an der Oberseite wie die an der Bodengruppe angeflanschte Einheit aus Tariergewicht und Handgriffen sind mit orna- mentaler Malerei beziehungsweise einer fließenden Vermischung gelber und grüner Lackfarben charakterisiert. Diese einzigartige Bemalung von Tauchsportequipment hat Scubapro mit der Hotframe - Produktline begonnen und bei Damm wohl seine konsequente Weiterführung erfahren.

Doch mit Fresken allein kann keine in ein Gehäuse verpackte Kamera auch Videobilder produzieren. So ungewöhnlich auch das Finish sein mag, so klassisch ist die Bedienung der Camcorderfunktionen. Großformatige mechanische Durchführungen durchdringen die Mumienschale und wirken auf direktem Wege auf die Hebel und Knöpfchen der NV DX 1. Kompromisslos wählt Damm den geraden Weg der Durchführung, also unter Verzicht auf Umlenkung der Wellen, damit wenigstens der Kameraauslöser oder die Zoomtaste bedient werden könnten, ohne die Hand vom Handgriff nehmen zu müssen. Aus eigener Fertigung stammen sowohl die Achsen der Durchführungen wie auch deren Greifer. Vorwiegend kommen hier die Materialien Alu und Plexiglas zum Einsatz. Modifizierte Teile des Kunststoffhandels stellen die äußeren Hebel und Drehknöpfe. Zwei justierbare und arretierte Schnellspann- verschlüsse ziehen den Rückdeckel ans Gehäusevorderteil, den ein dicker O - Ring abdichtet.Wie eine schwarz lackierte Felsenlandschaft offeriert sich die Materialoberfläche im Inneren des malerischen Gehäusedoms. Das hängt natürlich mit der Art der Fertigung zusammen. Es würde letztlich aber auch keinen Sinn machen, den Innenraum gleich einem Babypopo glatt zu schleifen, da das im Zusammenhang mit dem Einsatz des Gehäuses keinerlei Relevanz hätte. Ein gelber Kunststoff - Thron wartet in Schienen gelagert auf seinen Herrscher, hier die NV DX 1, die sich mit einer Stativschraube felsenfest an den Schlitten klammert. Der Einschub der montierten Kamera soll reibungslos erfolgen, hat man alle Funktionsknöpfe auf die deutlich sichtbaren roten Markierungen ausgerichtet und entsprechend der gewünschten Arbeitsweise mit der Kamera die manuellen oder die automatischen Funktionen vorbereitet. Das vorgesehene Spektrum der Bedienungselemente läßt ansich keine Wünsche offen. Neben Start - Stop und Power können die Brennweite, der manuelle Focus und der Weißabgleich bedient werden.

Einsatz und Handling

Tatsächlich gestaltet sich der Einbau der Kamera problemlos, da keine Achse herausgezogen werden muß, um den Einschub des Camcorders zu ermöglichen. Das Fehlen einer Arretierung des Schlittens fällt nicht auf, da sich die Montageplatte am Anschlag in der Schiene leicht verklemmt. So kann die Kamera bei geöffnetem Gehäuse auch nicht versehentlich entweichen. Sicher und zielstrebig findet der Rückdeckel seinen Platz auf dem Gehäusevorderteil, dafür sorgt vor allem der Anschlag, den der obere Tragegriff bildet. Etwas hakelig ist der Schnellspannverschluß, hadert er leicht in seiner Ausladung mit den Handgriffen. Auch muß peinlich darauf geachtet werden, so weist der Hersteller darauf hin, daß die verstellbaren Verschlüsse bis zum Anschlag auf Zug eingestellt sind, sonst kann in geringen Tiefen unter Wasser das Gehäuse geöffnet werden, denn in diesem Fall ist auch die Arretierung nicht wirksam. Doch das könnte leicht geändert werden, entschließt man sich zur Verwendung alternativer Schnellspann - Verschlüsse, wie sie die Zubehörindustrie anbietet. Leicht und unauffällig wäre das Gehäuse an seinem Tragegriff zu transpor- tieren, könnte es ohne das notwendige Tariergewicht verwendet werden. Doch hier hat der alte Archimedes einen Riegel vorgeschoben, so wiegt das einsatzbereite Gehäuse, ohne Lichtanlage, leer 7500 Gramm, mit Kamera knapp 9000 Gramm. In dieser Aufmachung hat es im Süßwasser nahezu keinen Auftrieb, es ist fast neutral, im Meer müßten noch einige Gramm angehängt werden, damit die gelbe Designboje schließlich unter den Wellen bleibt. Fast bedau- erlich ist die Tatsache, daß die Bedienung der Kamera nur befriedigend ausfällt, da sämtliche Funktionen nur durch das Lösen der Hand vom linken oder rechten Griff gesteuert werden können. Doch sind die Schaltelemente eindeutig beschriftet und zudem so großzügig ausgelegt, daß auch in dicken Handschuhen verpackte Hände keine Probleme bei der Bedienung verspüren. Das, zumindest im Süßwasser, ausgewogene Gehäuse gleicht aber ein wenig dieses Manko wieder aus. Der Blick in den Sucher ist sehr komfortabel, doch geht das fast mehr auf das Konto der Ent- wicklungsingenieure von Panasonic, die der NV DX 1 eine so voluminöse Sucherröhre spendierten. Natürlich vermißt man einen Domeport, am besten in Verbindung mit einem Weitwinkel - Vorsatz. Doch das ist noch nicht lieferbar, aber in Vorbereitung. Noch muß mit einem Verlängerungstubus vorlieb genommen werden, der den Planport röhrenartig vom Gehäuse absetzt, damit ein konventioneller Weitwinkel - Konverter aufgesetzt werden kann. Eleganter könnte man sich aber bei Damm damit behelfen, würde der Durchmesser der Frontportöffnung um einige Millimeter ver- größert. Denn dann paßt die Weitwinkellinse WW6 von EWA - MARINE (Preis etwa DM 260,- inkl. Adapterring) gleich ins Gehäuse, da diese lediglich eine Bautiefe von zwei Zentimetern aufweist. Gemessen am Preis ist das Fehlen eines externen Mikrofon zu ver- schmerzen, hier könnte aber ein einzeln zu beziehendes Einbauteil zur Selbstmontage über marinSolar in München die Lücke schließen. In Mono kostet hier ein wasserdichtes Mikro etwa DM 275,-, Stereofans müssen fast DM 490,- berappen.

Modellpolitik

Mit Blick auf die angestrebte Expansion bietet Damm für die gesamte Panasonic - Pallette passende Gehäuse an. Die Paradepferde NV DX 100 und 110 sollen dann auch über Tasten im Handgriff elektronisch angesteuert werden. Das empfohlene optische Upgrade mit einem Domeport ist vorgesehen. Momentan wird die Verwendung von Video- lampen beliebiger Hersteller lediglich über vorbereitete Befestigungslemente auf den Handgriffen ermöglicht. Zukünftig soll eine von Damm konzipierte Videobeleuchtung verfügbar sein, deren Akku anstatt des Tariergewichts in der Bodengruppe untergebracht ist. Die elektrischen Verbindungen werden vergossen sein, kein störendes Kabel steht dann vom Gehäuse ab. Bis 2x 100 Watt werden zu bestücken sein und es wird die Preisgrenze von etwa DM 1000,- komplett nicht überstiegen werden. Bleibt schließlich klar zu sagen, wer sich in einem so breiten Spektrum möglicher Kundenwünsche annimmt, hat natürlich keine große Zahl fertiger Gehäuse in allen erdenklichen Variationen gleich im Regal stehen. Mit Lieferzeiten ab 4 Wochen muß der potentielle Interessent rechnen. 

Fazit

Das Auge ißt mit, darauf spekuliert die Gehäusereihe von Damm. Wer zum günstigen Preis ein ausgefallenes und durch viel Handarbeit charakterisiertes Gehäuse einsetzen möchte, der ist in dieser Produktlinie richtig aufgehoben. In erster Linie machen die Bodies Spaß aufgrund ihres einmaligen Design und weil auch exotische Camcorder ein wasserdichtes Zuhause finden, die sonst nur in einer nichtssagenden Röhre verschwinden würden. Steht ein Domeport zur Verfügung, ist der optischen Austattung auch nichts schlechtes mehr nachzusagen. Um die Anlage reisefreundlicher zu gestalten, müßte der Behälter des Tariergewichts zu öffnen und das Gewicht entnehmbar sein. Nach einer Flugreise könnte dann vor Ort entsprechendes Taucherblei von der Basis verwendet werden.   
 
ÜBERSICHT

Gehäuse: DAMM NV DX 1
Material: Verbundtechnik, Polyester glasfaserverstärkt
Farbe: gelb und individuell mit Bildmotiven
Tauchtiefe: Standard 80 Meter
Maße (LxBxH): 310x240x190 ohne Tariergewicht und Handgriff
Leergewicht: 7,5 kg mit Tariergewicht
Optik: Planport
Wechselport: auf Wunsch
Funktionen: Start/Stop, Power, Zoom, Focus manuell, Weißabgleich
Steuerung: mechanisch (DX 100 elektronisch im Handgriff)
Sucherlupe: nein
Mikrofon: nein
Anschlüsse: keine
Halterung: Damm - Lichtanlage
Anzeigen: keine
Verschluß: 2x Schnellspann arretiert
Dichtung: O - Ring
Preis: ca. € 750,-
 
Info
Steffen Damm Unterwassertechnik, Bahnhofstr. 24, 01609 Wülknitz, Tel/Fax: 035263-67613 u. 0172-3534648